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Warum Ruhe dich genauso krank macht wie harter Hustle

Warum nicht Tun oder Sein das Problem ist, sondern das Extrem - und wie beide Seiten wieder in Frieden kommen.

Ein Porträt, das mittig geteilt ist - die linke Hälfte in kühlem Blau, die rechte in warmem Rot - als Sinnbild für die zwei Seiten in uns: Ruhe und Antrieb, Sein und Tun

Kurzantwort - Warum macht Ruhe genauso krank wie harter Hustle? Weil nicht Tun oder Sein das Problem ist, sondern das Extrem. Dauerhaftes Tun führt in Überspannung (permanenter Stress, Tunnelblick, verbrannte Erde), dauerhaftes Sein in Unterspannung (Antriebslosigkeit, sinkende Resilienz, geschrumpfte Träume). Beide machen auf Dauer krank. Die Lösung ist nicht, sich für eine Seite zu entscheiden, sondern die innere Spaltung zwischen dem getriebenen und dem ruhigen Anteil aufzulösen: das Verurteilen der jeweils anderen Seite erkennen, beide Anteile im Wohlwollen sprechen lassen und die Reibung auf körperlicher Ebene durcharbeiten. Der Körper ist die Brücke - erst wenn beide Seiten in Frieden sind, entsteht echte Erfüllung: Genuss im Tun und Genuss im Sein.

Ich glaube, jeder kennt eine abgewandelte Version des folgenden Szenarios: Du sitzt mit deinem Kaffee in der Sonne, und nach zwei Minuten macht dein Kopf schon wieder die To-do-Liste auf. Oder du arbeitest gerade an etwas, das dir wirklich wichtig ist, und da meldet sich eine Stimme in dir, du solltest doch mal langsamer machen, mal genießen. Ganz gleich, was du gerade tust: Irgendetwas in dir ist damit nicht einverstanden.

Das ist dieses Ding zwischen Tun und Sein. Zwischen „ich will die ganze Welt einnehmen" und „eigentlich ist alles gut, so wie es ist, und ich muss überhaupt nichts verändern". Eine delikate Wippe.

Das mag zunächst nach einem privilegierten Problem klingen (zum Teil ist es das auch), doch es ändert nichts daran, dass Menschen daran zerbrechen. Und eines sage ich dir gleich vorweg:

Die Lösung ist nicht, dass du dich für eine der beiden Seiten entscheidest.

Zwei Lager, die sich für Feinde halten

Tun und Sein wurden sehr lange als Gegensatz behandelt. Das eine war der Feind des anderen. Erst in den letzten Jahren kam diese Bewegung, dass das eine das andere tatsächlich braucht - dass sich die beiden gegenseitig hebeln können, statt sich auszucanceln.

Das Problem ist dasselbe wie bei den meisten Diskussionen, egal ob politischer oder gesundheitlicher Natur: Menschen wählen eines der beiden Lager und argumentieren dann mit Händen und Füßen dafür, warum ihre Seite die richtige ist und die andere damit der Feind.

Seite #1: Permanentes Tun

Auf der einen Seite die krassen Macher. Die Unternehmer, 50 Projekte gleichzeitig, immer nur ballern. Hier ist Ruhe nichts Nützliches, sondern wird schnell mit Schwäche und Antriebslosigkeit verwechselt. (Ich übertreibe bewusst, aber du verstehst, worauf ich hinauswill.)

Seite #2: Überentspanntes Sein

Auf der anderen Seite die Gegenbewegung, vielleicht auch ein bisschen die Hippie-Bewegung: Ich möchte nur sein, ich möchte nur genießen. Und alles, was mit Ziele erreichen oder hart arbeiten zu tun hat, fällt dort schnell unter „das wäre ja zu viel des Guten" und „man ist nicht zufrieden mit dem, was man hat".

Das sind sehr verhärtete Fronten. Und wenn du auf dein eigenes Leben schaust, wirst du vermutlich in einem der beiden aufgewachsen sein.

Ich war gerade die letzten Jahre sehr stark auf der Tun-Seite. Business aufbauen, Geld verdienen, alles in meinem Leben optimieren. Das hatte einige positive Effekte, etwa dass sich mein Verhältnis zu Geld deutlich verbessert hat. Das Problem war nur, dass ich da nicht mehr rausgekommen bin. Also habe ich die extreme Kehrtwende gemacht, das Lager gewechselt und exakt denselben Fehler noch einmal gemacht, nur spiegelverkehrt. Immerhin gründlich.

Inzwischen stehe ich auf keiner der beiden Seiten mehr. Ich kenne beide Welten und sehe von beiden die positive Absicht, aber eben auch ihre Schatten. Und genau da möchte ich jetzt eintauchen.

Warum du dich immer auf der falschen Seite fühlst

Eines ist sicher: Immer wenn es klar abgegrenzte Lager gibt, entstehen Reibungen. Das ist bei Ländergrenzen so, das ist bei Religionen so. Und mit den Bewegungen in uns ist es genauso.

Solange es in dir selbst eine klare Spaltung gibt - zwischen dem getriebenen Anteil und dem ruhigen, genussvollen Anteil - und zwischen den beiden keinerlei Kommunikation stattfindet, wirst du dich gespalten fühlen. Egal, was du tust. Und egal, auf welcher Seite du dich gerade befindest, die andere wird dir ein schlechtes Gewissen einreden.

Entweder du bist im Tun, in der Liebe durchs Leisten, du nutzt deine Zeit sinnvoll. Und immer, wenn du in diesen Modus fällst, meldet sich ein kleiner Teil in dir: Es braucht doch mal Ruhe. Genieß doch mal, was du hast. Hast du dir heute schon eine Pause gegönnt? Kommt bekannt vor, oder?

Also nimmst du dir die Pause. Ein paar Minuten meditieren, ein kleiner Spaziergang, das Käffchen gemütlich in der Sonne. Und dein Kopf meldet sich schon wieder mit tausend To-dos und zerstört genau die Intention, mit der du die Pause gemacht hast.

Von beiden Seiten hast du also immer ein schlechtes Gewissen.

Im Außen kann sich das genauso zeigen: Vielleicht sagt dein Partner schon länger, es wäre gut, wenn du mal eine Pause machst. Oder andersherum: Vielleicht versucht er seit Monaten, dich zu motivieren, mal wieder ernsthaft an einem Projekt zu arbeiten oder zum Sport zu gehen. Und du weißt, dass er recht hat. Innen drin ist trotzdem dieser Widerstand, die andere Seite hängen zu lassen. Was uns von außen gespiegelt wird, verdeutlicht nur den inneren Kampf.

Hinzu kommt: Wenn du in deinem Leben grundsätzlich mehr zu der einen Seite gehört hast, dann hast du die andere mit Sicherheit auch schon verurteilt.

Wenn du der erfolgsgetriebene Mensch warst, hattest du bestimmt schon einmal den Gedanken, dass eine weniger ambitionierte Person ja ganz schön faul ist. Oder du konntest nie verstehen, warum jemand sich nicht begeistert ins nächste Business-Gespräch stürzt, sondern einfach nur sagt, wie schön das Wetter ist.

Und wenn du im Lager der Ruhe warst, hast du bestimmt schon einmal die Augen verdreht, wenn einer mit Rolex und fettem Wagen vorgefahren ist. Oder mit stolzer Brust erzählt hat, dass er bereits fünf Unternehmen aufgebaut hat.

Ich weiß das deswegen so genau, weil ich es selbst gemacht habe. Ich war die, die verurteilt hat. Ich bin da sicherlich auch keine Heilige (keiner ist es).

Was wir eigentlich suchen, ist Frieden

Wenn wir rauszoomen, suchen wir Menschen letztlich immer nach einem Gefühl von Erfüllung. Und dahinter befindet sich Frieden. Du möchtest spüren, dass alles in Ordnung ist, dass es allen gut geht, dich selbst eingeschlossen, und dass sich das Leben leicht anfühlt.

Frieden zwischen zwei Nationen bedeutet ja nicht, dass eine gewonnen hat. Es bedeutet, dass sie eine Einheit bilden und auf harmonische Weise miteinander kommunizieren: ihre Bedürfnisse, ihre Sorgen, ihre Pläne. Dass sie miteinander arbeiten statt gegeneinander. Und diese Parteien, diese Länder in uns wünschen sich nichts anderes.

Wir wünschen uns ja auch Weltfrieden. Wer will schon Krieg auf der Welt? Genau das Gleiche gilt für unsere innere Welt.

Innen so außen.

Solange du diesen inneren Kampf nicht für dich löst, wirst du die Erfüllung nicht finden, die du dir eigentlich wünschst. Ich beobachte bei meinen Klienten, dass dieses Verständnis oft überhaupt nicht da ist - woher auch? Das Fach gab es in der Schule schließlich nicht. Doch mit dem Verstehen beginnt nun mal das ganze Ding.

Wie zwei Welten sich wieder annähern

Es klingt vielleicht seltsam, mit Anteilen in sich zu sprechen wie mit zwei Delegationen am Verhandlungstisch. Nur passiert dieses Gespräch ohnehin die ganze Zeit - bloß als Streit. Du kannst also genauso gut die Bedingungen ändern.

Schritt eins: das Verurteilen rausnehmen

Wenn du auf der Seite bist, auf der die To-do-Liste ewig lang ist, dann schau einmal ernsthaft hin: Wo hast du Ruhe verurteilt? Wahrscheinlich verstehst du im Kopf längst, dass es sinnvoll wäre, es ruhiger anzugehen. Aber wo sitzt der Widerstand? Dort kannst du auf körperlicher Ebene mit dir einchecken:

  • Erste Frage: Wo zeigt dir dein Körper bereits, dass auch er sich mal eine Pause wünscht?
  • Zweite Frage: Wo spürst du Widerstand, wenn du daran denkst, tatsächlich das Tempo zu drosseln?

Spürst du Druck auf der Brust? Schnürt sich deine Kehle zu? Bekommst du schwerer Luft, fängt dein Kiefer an zu knirschen? Wo bildet sich Anspannung, allein bei der Vorstellung, jetzt Pause zu machen? Das sind wertvolle Hinweise, denn sie zeigen: Da ist Widerstand und Groll im System.

Andersherum funktioniert es genauso. Stell dir vor, ins Handeln zu kommen, ernsthaft an deinen Träumen zu arbeiten, deine Visionen wirklich werden zu lassen, dir ein wohlhabenderes Leben aufzubauen, Anerkennung zu bekommen. Was passiert da in dir?

Diesen Widerstand erst einmal wahrzunehmen und anzuerkennen, ist der erste Schritt, um die Barrikaden abzubauen.

Schritt zwei: die andere Partei im höchsten Wohlwollen sprechen lassen

Wenn die gegenüberliegende Seite im höchsten Wohlwollen mit dir sprechen könnte - was würde sie dir sagen?

Wenn du dazu neigst, dich immer bis zum Ende zu peitschen, dann höre einmal, was die Ruhe dir mitteilen möchte. Vielleicht kommt so etwas wie:

  • Alles im Leben ist zyklisch.
  • Dein Körper und dein Geist werden es dir danken.
  • Du wirst nachts besser schlafen, wenn du dir diese Regeneration erlaubst.
  • Du wirst dich in der Arbeit viel intensiver wahrnehmen können, als du es ohne mich je könntest.

Auch hier wieder andersherum genauso. Was möchte dir das Tun sagen? Vielleicht:

  • Es ist okay, etwas zu wollen, etwas zu erschaffen und dafür zu arbeiten.
  • Reichtum macht dich nicht zu einem schlechten Menschen, macht dich nicht gierig und verpestet nicht deinen Charakter.
  • Und es kann Spaß machen, Energie in etwas zu stecken, das dich wirklich bewegt.

Wenn du dir das anhörst, wirst du merken, dass beide Seiten dir wohlgesonnen sind. Wenn du ganz ehrlich bist, wollen beide nur das Beste für dich. Und die Brücke, die beide Seiten zusammenhält, ist dein Körper. Schau also auch, was er macht, während du diese Stimmen des Wohlwollens hörst. Vielleicht entspannt sich da etwas.

Der Mensch liebt es einfach, gern mal in ein Schwarz-Weiß-Denken zu fallen. Nur weil du eine Pause machst, wirst du nicht ewig der Faulenzer sein. Und nur weil du für eine Sache ins Handeln kommst, macht dich das nicht zum Workaholic. Dahinter stecken oft Glaubenssätze, die wir übernommen haben, die tief in uns vergraben liegen und die wir zunächst gar nicht wahrhaben wollen.

Über- und Unterspannung

Sowohl Tun als auch Sein haben ihre Berechtigung. Keines von beiden ist besser oder schlechter, und beide haben die Funktion, dieses delikate Gleichgewicht in uns zu halten. Der Punkt ist nur, dass beide auf Dauer nicht guttun und uns irgendwo auch krank machen.

Man spricht hier gern von Über- und Unterspannung. Denn Spannung ist das, was uns im Leben hält. Ein Muskel, der dauerhaft maximal angespannt ist, kann nicht mehr arbeiten. Und einer ohne jede Spannung würde in sich zusammenfallen. Selbes Prinzip.

In der Überspannung ist der Druck zu hoch. Das äußert sich in permanentem Stress, in einem Abflachen der Emotionen und in einem Tunnelblick, der verhindert, dass wir sehen, wie wir in unserem Eifer hinter uns nur noch verbrannte Erde hinterlassen. Vielleicht hat deine Beziehung nicht mehr die Aufmerksamkeit bekommen, die sie gebraucht hätte. Vielleicht haben deine Freunde dich seit Monaten nicht gesehen. Vielleicht vernachlässigst du deinen Schlaf und hörst nicht mehr auf die Ruhephasen deines Körpers. Zu viel Kaffee, zu viel Red Bull. Vielleicht hast du auch eine kürzere Zündschnur als sonst und bist leicht reizbar.

In der Unterspannung fällt dein System schlaff in sich zusammen. Deine Stressresistenz nimmt ab, deine geistige Flexibilität nimmt ab, und die normalen Herausforderungen des Lebens fühlen sich plötzlich größer an, als sie sind. Möglicherweise leidet deine Konzentrationsfähigkeit. Oder du traust dich überhaupt nicht mehr, ein Projekt ernsthaft zu starten, weil deine Energie und deine innere Resilienz im Keller sind. Vielleicht sind auch deine Träume in letzter Zeit massiv geschrumpft, weil du sie dir gar nicht mehr richtig erlaubt hast.

Die volle Kost des Lebens

Ein gutes Beispiel dafür ist das Essen. Wenn du dich die meiste Zeit gesund ernährst, so wie es alle Biohacker und Ernährungsberater vorgeben, ist das erst einmal eine gute Sache. Aber wenn du im Dreieck springst und die Krise bekommst, nur weil auf einmal ein Tiramisu auf dem Tisch steht, und du dir ein paar Löffel davon genehmigst und das nicht genießen kannst, dann bist du in einer klaren Überspannung. Und die volle Kost des Lebens bleibt dir verwehrt.

Die Beispiele sind endlos:

  • Kannst du noch den Wind auf deiner Haut wahrnehmen?
  • Einen Sonnenuntergang einfach nur für seine Schönheit anhimmeln?
  • Deinen Partner einfach nur für den Menschen vor dir, ohne dass er sich erst beweisen muss?

Unterspannung äußert sich genau entgegengesetzt:

  • Kannst du den Flow finden in deinem Erschaffen, in deinem Wirken?
  • Kannst du spüren, wie gut es sich anfühlt, etwas zu tun - für deinen Körper, für dein Business, für was auch immer du erschaffen möchtest?
  • Erlaubst du dir, für deine großen, für manche vielleicht komplett surrealen Träume loszugehen, auch wenn es hart ist?

Oder auf das Essens-Beispiel bezogen: Kannst du das Ungesunde auch mal eine Zeit lang weglassen und Genuss in der Disziplin finden?

Zurück zum Spiegel

Erst wenn diese beiden Seiten in Einklang kommen und miteinander harmonieren, kommen Körper, Geist und Seele in die Mitte. Und so können wir das Leben genießen, egal in welcher Phase wir uns gerade befinden. Genuss im Tun. Und Genuss im Sein.

Genau dann entsteht die ultimative Freiheit - die ultimative Freiheit der Gefühle und des Geistes. Denn wir sind nicht mehr gezwungen, uns von gewissen Gemütszuständen fernzuhalten. Wir können in allem die Schönheit sehen, wir können aktiv sein und wir können in der Ruhe sein - und in beidem den Nutzen und den Genuss erkennen.

Und das geht nur, wenn wir die Reibung in uns anerkennen, auch auf physischer Ebene. Es reicht nicht, es im Kopf zu verstehen. Es muss auf körperlicher Ebene passieren, um dort durchgearbeitet zu werden. Meine Arbeit setzt übrigens genau dort an: dort, wo der Kopf es längst verstanden hat und der Körper trotzdem dichtmacht. Wenn du deinen eigenen Ausgangspunkt - deine Anlagen, deine Muster, dein Fundament - wirklich verstehen willst, ist der Soul Blueprint der Ort, an dem ich anfangen würde.

Dein Körper ist das einzige Instrument, auf das du immer Zugriff hast - zu jeder Zeit, egal wo du gerade bist und in welchem Lager du gerade stehst.

Er ist die Brücke zwischen dem, was du dir überlegst, und dem, was du tatsächlich lebst.

Probier es aus. Und ich garantiere dir: Wenn diese zwei Nationen in dir wieder in Frieden sind, dann wirst auch du wieder mit dir in Frieden sein.

xx Alexandra 🌹

Diese Gedanken vertiefe ich auch im Podcast Written in the Body. Wenn du lieber hörst als liest - du findest ihn überall, wo es Podcasts gibt.
Alexandra Kaschny
Alexandra Kaschny
Somatische Begleiterin

Die letzten sechs Jahre habe ich mich intensiv mit allen Aspekten der Körperintelligenz auseinandergesetzt und dabei Hunderten von Menschen geholfen, wieder die Brücke zu ihrem eigenen Körper und ihrem eigenen Wesen herzustellen. Meine Vision ist eine Welt, in der Menschen nicht länger gegen sich selbst leben, sondern ihrem inneren Kompass wieder vertrauen. Ich helfe dir, die inneren Signale wieder richtig zu lesen und ihnen zu vertrauen, damit das Leben sich wieder im Fluss bewegt, statt dich im Kampf erstickt.

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